Chamäleon, Dinosaurier und der Rummel um die Minarette
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Es ist in der Tat ein Rummel, um die wahren Probleme auszublenden. In den letzten paar Jahren erinnert mich die Schweiz an zwei Tiere: den Dinosaurier und das Chamäleon, das seine Hautfarbe wechseln muss, um sich an die ständig veränderte Natur um es herum anzupassen. Hingegen der Dinosaurier, der in seiner Haut stecken blieb, ist ausgestorben. Bis vor kurzem dachte eine grosse Mehrheit der Schweizer, dass die ganze Welt die Schweiz brauche, die Schweiz sich aber grundsätzlich niemandem anpassen müsse. Und wieso? Weil die Schweiz (zweifellos zu Recht) Qualitäten und Werte hat, mit denen das Land Jahrhunderte gut gefahren ist und die bis jetzt aus der Schweiz das gemacht haben, was sie heute ist. Daher dachten viele Schweizer, diese Werte seien unantastbar. Und so sind die Werte zu heiligen Geboten geworden. Die schweizerischen heiligen Gebote sind unter anderem:
Neutralität, Qualité suisse, Bankgeheimnis, Konkordanz, Rechtsstaat, direkte Demokratie
Die Bilder dieser heiligen Kühe und goldenen Kälber zerbrachen nacheinander in relativ kurzer Zeit oder wurden mindestens sehr stark beschädigt. Was heisst Neutralität nach dem Fall der Berliner Mauer? Wo ist die Qualité suisse nach dem Grounding von Swissair? Die Konkordanz ist unterernährt und leidet an Diabetes, seit die SVP die Doppelrolle „hier regieren und dort noch mehr opponieren“, den Populismus, zum politischen Programm erhob. Konkordanz heisst miteinander regieren. Das neue Motto unter der Führung der Schweizerischen Volkspartei (SVP) ist EINER gegen ALLE. Die anderen Parteien stehen vor dieser Taktik wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange. Aber alle reden immer noch von der Rettung der Konkordanz und tun dabei alles, um die kranke alte Dame endlich zu beerdigen....Das grösste goldene Kalb aller Zeiten ist die UBS Bank. Bei Nacht und Nebel entscheidet die Schweizer Regierung, 6 Milliarden Steuerfranken an UBS zu zahlen, um die Bank vor dem Zusammenbruch zu retten. Und dies ohne Volksabstimmung, ohne Entscheid des Souveräns und ohne jegliche Garantie, dass die Bank diese Gelder an den Staat zurückzahlen müsse. Die Regierung erklärte, sie müsse diesen Schritt unternehmen, ansonsten werde die UBS zusammenbrechen und damit alle andere Banken und die gesamte Schweizer Wirtschaft in den Abgrund reissen. Der Staat könne sonst nicht einmal die Fortzahlung unserer Löhne garantieren. Der Staat musste UBS zu Gunsten der Bevölkerung retten... Es hat aber nicht einmal 72 Stunden gedauert, bis die Herren und Damen der UBS sich schamlos am Buffet der Steuergelder bedienten und fast die Hälfte der 6 Milliarden unter sich als Bonizahlungen verteilten. Gleichzeitig hagelte es aus allen Ecken der Welt Kritik und Druck auf die Schweiz. Sie wurde als Oase der Steuersünder bezeichnet und sogar auf der Schwarzen Liste der OECD registriert. Das Bankgeheimnis musste gelockert werden, um aus dieser miserablen Situation einen Ausweg zu finden. Schimpfen und Beleidigungen der Nachbarpolitiker waren an der Tagesordnung. Deutschlands Finanzminister Steinbrück bezeichnet sich als Kavallerist, der die Indianer (die Schweizer) jagen werde. Aus Amerika, Frankreich, England kamen dieselben Signale und sogar die italienische Mafia veranstaltet Razzien in unseren Bankniederlassungen. Die Schweiz ist kein EU-Land, also ohne Schutz. Das Abkommen der Personenfreizügigkeit wird nicht richtig eingesetzt. Die Ventilklausel über die Einwanderung von Arbeitskräften aus den Nachbarländern ist zur Dekoration verkommen. Dann erlebten die Schweizer die für sie wohl grösste Schmach. Dem Sohn von Gaddafi, diesem Lausbub, und seinem Vater wollte die Schweiz zeigen, was ein RECHTSSTAAT ist und ihm eine Lehre in Menschenrechten erteilen. Die Genfer Polizei verhaftete Hannibal Gaddafi und seine schwangere Frau, weil sie angeblich ihre Diener misshandelten. 25 Polizisten in voller Kampfmontur stürmten das Hotelzimmer des Gaddafi-Söhnchens und wollten mit aller Macht den Rechtsstaat durchsetzen. Manche dachten sogar, dass Vater Gaddafi den Schweizer Behörden dankbar sein sollte, weil sie seinem verzogenen Kind eine Lehre erteilt hatten. Aber dieser primitive Beduine liess sich nicht vom Klamauk des Rechtsstaats beeindrucken. Auf die ganze Linie wies er alle Bemühungen, Entschuldigungen und Kniefälle des Bundespräsidenten und seines Rechtsstaates zurück. Also noch eine Ohrfeige für das bereits geschwollene Gesicht der Schweiz. Mitten in diesem Rummel landen die Abstimmungsplakate der SVP mit Minaretten, die als Raketen, welche Schweizer Fahne durchlöchern, dargestellt wurden. Geister und Dämonen unter der Führung von Oberhexe Madame Burka werden die Schweiz überfallen. Die Islamisierung der Schweiz ist fest im Sattel. Die Mächte der dunklen Berghöhlen aus dem Hindukusch setzen ihren Plan durch. Sie werden die Schweiz in Helveti(stan) umtaufen und die Sharia einführen. Die Lösung? Um die Schweiz aus all den oben erwähnten Miseren und Katastrophen zu retten, die Minarette der dunklen Mächte verbieten....Punkt.....Daraufhin rannten die Schweizer in Scharen zu den Urnen, um ein Zeichen zu setzen, den Einfall der Halbmond-Ritter (à la Kreuzritter) zu stoppen und zu zeigen, wer hier im Hause immer noch der Herr ist und wer die Hose immer noch an hat.. Am Tag nach dem beispiellosen Sieg der eidgenössischen Taliban aus SVP(stan) gegen die Halbmondzügen fragten sich die verunsicherten Helvetier: was haben wir getan? Ist DAS die direkte Demokratie? Darf das Volk einfach so über alles und jedes entscheiden? Was heisst das Volk? das sind 57% von einer Stimmbeteiligung von 53%... Faktisch eine Minderheit der Gesamtbevölkerung, die zur Urne ging und die Schweiz in diese Situation gebracht hat. Also noch ein eidgenössisch heiliges Bild wurde in Frage gestellt: die direkte Demokratie. Und was macht die schweigende Mehrheit, insbesondere der Moslems? Nichts anderes als die 3 lustigen Affen: Ich höre nichts, ich sehe nichts und vor allem ich sage nichts... Selbstkritik war bis jetzt ein Fremdwort im Wortschatz der Moslems. Mittelalterliche Auslegungen ihrer Religion dominieren bis heute ihr Leben. Sie überlassen immer wieder das Feld den Fundamentalisten, Wahabiten, Nejadis, Bin Ladens - und mal ehrlich: heimlich empfinden viele Muslime grosse Sympathie für diese neuen Helden. Nicht weil diese Mehrheit mit ihren Taten und Terror einverstanden sind, nein nein, aber diese Helden, die einen Neo-Islam vertreten, sind die einzigen mutigen Leute, die eine Opposition gegen die westliche Übermacht und die Korruption der eigenen Regierungen wagt. Sie geben den (auch) verunsicherten Moslems ein neues Selbstbewusstsein, nachdem die nationalen Charakter verloren gegangen sind. Doch eine Identitätskrise in einer globalisierten Welt... man sehe und staune... in diesem Zusammenhang sitzen die „Urschweizer“ und ihre Mitbewohner aus Morgen und Balkanland im selben Boot. Alle rudern gegen die hohen Wellen eines rasant veränderten Globus und suchen fieberhaft nach ihrer verlorenen Identität... Und jetzt? Die Frage ist: schaffen beide zusammen doch den Farbwechsel wie das Chamäleon oder bleiben in ihrer dicken Haut stecken wie die Dinosaurier? Geht diese Auseinandersetzung weiter oder ziehen sie die Lehren aus ihren Defiziten? On verra...
Mohamed H. Abdelrahman
13.12.2009


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